Er wollte zurück an die Donau mit ihrer sanften Hügellandschaft, und so hat er sich sofort beworben, als die freie Chefstelle für die Geriatrische Klinik Aidenbach im Ärzteblatt stand. Zugegeben, die kleine Marktgemeinde liegt nicht direkt am Fluss, aber die Donau begleitet ihn von seinem Wohnort in Passau-Kohlbruck zum neuen Arbeitsplatz bis Vilshofen: Dr. med. Horst Riechers, der gebührte Unterfranke, der bereits einmal in Regensburg die Schönheit einer Donaustadt lieben gelernt hat und Ende Februar die Nachfolge des aus Altersgründen ausgeschiedenen Chefarztes Dietrich Neveling übernommen hat.
Gut vier Monate ist der 44jährige nun im Amt: Grund genug für Bürgermeister Karl Obermeier, um gemeinsam mit dem neuen medizinischen Leiter der Klinik eine erste Bilanz zu ziehen.
„Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt Riechers zur Begrüßung und es klingt überzeugend: „Das ganze Team hat mir den Einstieg aber auch sehr leicht gemacht. Als Unterfranke fühle ich mich noch als Bayer und wurde mit offenen Armen empfangen.“
Besonders erquicklich für ihn sind Größe und Ausstattung des Hauses. „Das war in Fulda, wo ich zuletzt gearbeitet haben, nicht so opulent. Hier aber haben wir als einzige im weiten Umkreis die Möglichkeit, Patienten, die ein Beatmungsgerät benötigen, aufzunehmen, weil wir räumlich und apparativ so gut ausgerüstet sind.“ Dieses Lob aus berufenem Munde hört Bürgermeister Obermeier gern und fügt nicht ohne Stolz an, dass das Haus von 1991 bis 1995 als Schwerpunktklinik für den ganzen niederbayerischen Raum errichtet wurde und damals Modellcharakter hatte. Mit 203 Betten, 100 davon in einem angegliederten Pflegeheim, hat die Geriatrische Klinik gewaltiges Potenzial. Außerdem bietet sie 165 Mitarbeitern, davon ein Drittel aus Aidenbach, einen Arbeitsplatz.
Hauptsächlich aus den Klinik Passau und Deggendorf, sowie aus den drei Landkreis-Krankenhäusern Vilshofen, Rotthalmünster und Wegscheid werden die Patienten zur Reha nach Aidenbach geschickt. Im Winter, wenn die betagten Menschen krankheitsanfälliger sind, kommen diese sogar aus dem Münchner Raum. 84 Jahre im Schnitt sind die Patienten, denen Riechers wieder auf die Beine helfen möchte. „Über 90 Prozent haben Gehprobleme“, bestätigt der Experte und weiß aus vielen Gesprächen, dass der Verlust der Mobilität für die Menschen das Allerschlimmste ist. Hier kann die Rheumatologie, die ein Spezialgebiet des neuen Chefarztes ist, eine wesentliche Hilfe sein.
Doch nicht nur das: Riechers muss ein Allrounder sein. Denn die Beschwerden, die die Menschen in seiner Klinik plagen, sind vielfältiger Natur. Grob könne man die Patienten in drei Gruppen unterteilen. Leute mit Knochenbrüchen, internistische Krankheiten und neurologische Erkrankungen, etwa nach Schlaganfällen. Aber auch Demenz, Osteoporose, Herz-Kreislauferkranungen und Diabetes spielten eine große Rolle. Was ihn an seiner Aufgabe reizt: „anders als die Spezialisten, die sich wegen der immer komplizierteren Technik auf einige wenige Untersuchungen fokussieren müssen, ist die Geriatrie ein zersplittertes Teilgebiet. Ich darf den Menschen noch ganzheitlich betrachten, bin als Arzt der Koordinator zwischen Krankengymnast, Ergotherapeut, Logopäde, Psychologe und Sozialdienst. Und es gibt keine größere Genugtuung, als wenn ein Patient nach erfolgreicher Behandlung den Rollstuhl wieder in die Ecke stellen kann“, sagt er.
Dass dem Chefarzt die Arbeit ausgehen könnte, dafür gibt s keine Anzeichen. Im Gegenteil. Verwaltungsdirektor Claus Seitz, der für das Zahlenwerk der Klinik verantwortlich zeichnet, betont, dass die Geriatrie besser ausgelastet sei als im vergangenen. „Die Tendenz bei den Patientenzahlen ist weiterhin steigend“, sagt er.
Was Bürgermeister Obermeier besonders freut: Dass Riechers nach den vielen Stationen seiner medizinischen Fortbildung nun sesshaft werden möchte. „Wir haben die Deutschlandreise hinter uns und meine Frau guckt sich gerade nach einem passenden Bauplatz um. Außerdem bin ich froh, in Bayern zu sein, außerhalb fühlt man sich immer ein bisschen krank“, meint er. Eine Chance für Obermeiers Überredungskunst, ihn auch privat in die Marktgemeinde zu locken. Riechers: „Ich könne mir schon vorstellen, zu Fuß in die Arbeit zu gehen, denn gleich am zweiten Tag bin ich beim Schneechaos in Vilsofen hinter einem Lkw am Berg hängen geblieben“, erinnert er sich, „aber das ist eben die Nebenwirkung des hügeligen Landes an der Donau.“

Keine Nachrichten in dieser Ansicht.