Von Gesine Hirtler-Rieger
Aidenbach. Der Geldsegen von rund 2,2 Millionen Euro, den Aidenbach für die Sanierung der maroden Hauptschule bekommt, hat die Markträte in eine ganz schöne Zwickmühle gebracht. Die schwierige Frage bei der jüngsten Sitzung war, ob die Gemeinde über diese energetische Sanierung hinaus, die vom Staat mit rund 87 Prozent über das Konjunkturpaket II bezuschusst werden, weitere Sanierungsmaßnahmen in Angriff nimmt.
Diese wären sowieso in einigen Jahren fällig, würden zum jetzigen Zeitpunkt jedoch mit gefördert, machte Architekt Helmut Witzlinger deutlich. Allerdings beschert diese „große“ Lösung der Gemeinde Kosten in Höhe von 1,33 Millionen. Insgesamt kommt diese Maßnahme auf 4,2 Millionen, 68 Prozent davon werden vom Staat übernommen. Zum Vergleich: bei der „kleinen“ Version müsste die Gemeinde lediglich 312 500 Euro berappen. Die restlichen 87 Prozent der Gesamtkosten von 2,5 Millionen fördert der Staat mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II.
Die „kleine“ Version beinhaltet Brandschutz, behindertengerechte Maßnahmen sowie die energetische Sanierung. Die Gebäudehülle mit den Fenstern wird wärmegedämmt, Elektro, Heizung, Lüftung und Sanitär werden nach energetischen Gesichtspunkten auf Vordermann gebracht. Der Haken liegt laut Witzlinger im Detail: „Enthalten darin sind eine Hackschnitzelheizung und neue Lampen. Die Leitungen, die dazu verlegt werden müssen, sind aber in dem Paket nicht mir drin.“
Gerade die Leitungen, stellte Elektroplaner Karl Würdinger fest, gehörten jedoch baldmöglichst erneuert. Früher sei die Verkabelung für alle Klassenzimmer über die Gänge installiert worden. Heute ist es Standard, dass die Gänge frei von Verkabelung sind, damit die Fluchtwege bei einem Brand feuerfrei bleiben. „Wir müssen die Flurdecken sowieso alle aufreißen, dann wäre es besser, die Verkabelung gleich jetzt in jedes einzelne Klassenzimmer zu legen.“
Die Generalsanierung als „große“ Lösung beinhaltet, dass abgehängte Decken in jedes Klassenzimmer kommen, hinter denen die Installation verborgen wird und die zugleich für eine bessere Akustik sorgen. Neue Heizkörper und eine neue Verrohrung kämen dazu sowie eine Einzelraumsteuerung: „Das bedeutet, dass ungenutzte Räume im Winter problemlos von der Heizung abgeschaltet werden können“, sagte Heizungsfachmann Thomas Bartsch. Auch die sanitären Anlagen würden nicht nur minimal, sondern umfassend erneuert werden.
Wie sieht nun die finanzielle Belastung für den Markt aus? Kämmerer Michael Braun listete die grundlegenden Unterschiede auf. Die „kleine“ Version, die mit dem Konjunkturpaket II gefördert wird, kostet die Gemeinde lediglich 312 500 Euro. Diese rein energetische Sanierung spart dem Markt Aidenbach und dem Schulverband unter anderem durch weniger Gas- und Stromverbrauch sowie höhere Mieteinnahmen jährlich 35 000 Euro. Bereits nach neun Jahren hätte sich die Investition amortisiert. Ganz wichtig: Der Markt müsste keine neuen Kredite aufnehmen.
Anders bei der „großen“ Lösung, die die Generalsanierung umfasst: Der Eigenanteil der Gemeinde liegt hier bei rund 1,3 Millionen Euro. Dafür liegt das Einsparpotential bei jährlich 61 000 Euro. Die Investition hätte sich nach 24 Jahren amortisiert. Dafür müssten jedoch neue Kredite in Höhe von rund 760 000 Euro aufgenommen werden.
Fast eine Stunde lang wurde das Für und Wider erwogen. Da die Zeit drängt - bis 31. Juli muss der Antrag der Regierung vorliegen - musste eine Entscheidung fallen. Das fiel den Markträten schwer genug, viele kämpften mit Bauchgrimmen angesichts der neuen Schulden, die bei der Empfehlung der „großen“ Lösung gemacht werden müssten.
Das war dann auch für die Freien Wähler der Knackpunkt: Sie entschieden sich bei der namentlichen Abstimmung für die „kleine“ Version. Rita Schwarzmeier (FW) warnte davor, dass auch die Generalsanierung den Hauptschulstandort nicht für die Zukunft sichere. Angesichts der neuen Schulden erklärte sie: „Da kann ich einfach nicht zustimmen. Wir haben noch andere Pflichtaufgaben.“ Auch Franz Weidl (FW) führte an, dass dann weitere Projekte wie etwa das Bürgerhaus keine Chance mehr hätten.
„So eine Chance bekommen wir nie wieder“, beschwor Bürgermeister Karl Obermeier die Markträte. Mit der überörtlichen Rechnungsprüfung, die den derzeitigen Schuldenstand laut Weidl als „signifikant zu hoch“ beziffert habe, habe er bereits gesprochen: „Das Landratsamt trägt die Generalsanierung mit.“ Das wichtigste Argument, das für eine sofortige „große“ Lösung“ statt weiterer Nachbesserungen in ein paar Jahren spricht, ist laut Obermeier der relativ hohe Fördersatz von 68 Prozent, den der Staat bei der Generalsanierung nur zum jetzigen Zeitpunkt gewähren würde.
Das überzeugte letztendlich auch die Markträte von CSU, SPD, ÜW und Innovative. Jeder einzelne Redner betonte, wie ungern man neue Schulden machen würde, hob aber im Gegenzug die einmalige Gelegenheit hervor, die Schule mit Fördermitteln grundlegend zu überholen, die in ein paar Jahren nicht mehr fließen würden. Gegen die Stimmen der Freien Wähler Franz Weidl, Rita Schwarzmeier, Max Baumgartner und Rudolf Hollube wurde schließlich der Antrag für eine Generalsanierung wie von Architekt Witzlinger vorgeschlagen beschlossen.

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