18. September 2009

Brasilien - Oberbayern - Niederbayern

Robert Rödig (60) hofft auf viele Jahre in Aidenbach und Beutelsbach

Von Helene Baumgartl


Aidenbach. Weit herumgekommen ist der neue Pfarrer von Aidenbach und Beutelsbach - und das nicht nur innerhalb der Diözese Passau, sondern auch in der Welt. Robert Rödig hat sieben Jahre als Pfarrer in Brasilien gearbeitet, bevor er über Oberbayern und den Bayerischen Wald jetzt in den Klosterwinkel gekommen ist.
„Das wird meine letzte Pfarrstelle sein“, versichert der Seelsorger, dem man gar nicht anmerkt, dass er im Sommer seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Der neue Seelsorger will möglichst lange hierbleiben: Erst als Pfarrer und später als Ruhestandsgeistlicher „solange Gott mir die Gesundheit schenkt“.
Der gebürtige Wegscheider wollte schon als Kind Pfarrer werden, konnte als neunjähriger Ministrant seitenweise lateinische Gebete auswendig und zog mit elf Jahren von zuhause ins Passauer Knabenseminar. Doch nach dem Abitur 1969 am Gymnasium Leopoldinum war er sich dann doch nicht mehr ganz sicher. „Ich habe mir gedacht: machst erst einmal den Bund, dann kommen die dir nicht mehr in die Quere“, erinnert er sich schmunzelnd. Nach den damals stolzen 18 Pflichtmonaten schied der spätere Pfarrer als Fähnrich der Reserve aus und stieg ins Theologiestudium ein - ohne den sonst üblichen Eintritt ins Priesterseminar und nicht in Passau, sondern in Regensburg. „Drei Jahre lang habe ich dort mit Andacht Vorlesungen bei Professor Ratzinger gehört“, erzählt der 60-Jährige, der beim heutigen Papst vor 33 Jahren auch sein Examen abgelegt hat.
Nach der Pflichtzeit im Passauer Priesterseminar, der Priesterweihe 1977 und sieben Kaplanjahren in Zwiesel bewarb sich der Wegscheider um eine Stelle als Gastpfarrer in der brasilianischen Partnerdiözese Alagoinhas, durfte nach dreijährigem Warten auf das Visum schließlich nach Südamerika fliegen. „Die sieben Jahre dort waren eine wichtige Zeit, die mich schon geprägt hat“, denkt der 60-Jährige dankbar zurück. Noch heute besitzt er ein Dauervisum, ist alle zwei Jahre in Brasilien, damit es nicht verfällt.
1993 kehrte der Niederbayer nach Deutschland zurück und wurde ein Oberbayer: 11 Jahre lang betreute er als Pfarrer den Pfarrverband Kirchweidach-Tyrlaching nahe Burghausen. In dieser Zeit stieß auch Pfarrhaushälterin Annemarie Oberhuber (51) zu ihm. Sie hat ihn 2004 nach Frauenau und jetzt auch nach Aidenbach begleitet. Die 51-Jährige ist übrigens eine besondere Bereicherung: Während Pfarrer Rödig von sich selbst behauptet, völlig unmusikalisch zu sein, war sie jahrelang Siftsorganistin in Altötting.
Der Seelsorger ist in seiner Freizeit lieber auf Achse, geht mit Freunden oder Pfarrer-Kollegen wandern, setzt sich aufs Rad oder ist mit dem Zug unterwegs. „Montag ist mein freier Tag, da haue ich ab. Als Pfarrer muss man konsequent sein, sonst hat man auf einmal 365 Tage voller Termine“, erklärt der erfahrene Seelsorger. Mit umso größerer Freude kann er sich dann seinen Gläubigen widmen: „Ich wollte schon immer einen Beruf haben, in dem ich mit Leuten zu tun habe. Ein Bürojob wäre nie was für mich gewesen“, schmunzelt der Pfarrer.
Auch wenn die letzten Kartons noch nicht ausgepackt sind und immer noch Handwerker im Pfarrhof werkeln, so ist der 60-Jährige mit dem Herzen vollends angekommen. Mit Freude und Rührung spricht er von dem herzlichen Empfang, den ihm die Aidenbacher und Beutelsbacher bereitet haben: „Die Leute sind freundlich und aufgeschlossen, der Pfarrverband ist seit 30 Jahren eingespielt. Ich freue mich, dass ich noch einmal neu anfangen darf und tue dies mit Mut und Gottvertrauen“, betont Pfarrer Rödig.